Sekundenschlaf

von J.Mathis

Tagesschläfrigkeit ist verantwortlich für ca. 10-20% aller Verkehrsunfällen auf unseren Strassen. Damit übertrifft diese Ursache sogar die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss. Leider wird aber in den offiziellen Statistiken des Bundesamtes lediglich ein Anteil von 3-4% der Verkehrsunfälle auf das Einschlafen am Steuer zurückgeführt, weil es oft schwierig ist, diese Ursache mit einiger Sicherheit zu definieren. Die Risikofaktoren für derartige Sekundenschlafunfälle sind dank moderner Forschung relativ gut bekannt. Es sind dies:

  • Fahrten während der Nacht
  • Junge Fahrzeuglenker
  • Männliche Fahrzeuglenker
  • Längere Fahrten
  • Alkohol unterhalb 0.5‰
  • Schichtarbeit
  • Nichterholsamer Schlaf, z.B. Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Viele Medikamente
  • Narkolepsie, Depression und andere Krankheiten mit Tagesschläfrigkeit
  • Verschiedene internistische Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion,
    Eisenmangel

Was muss jeder Fahrzeuglenker zum Sekundenschlaf wissen?

Ein Sekundenschlafunfall wird von der Polizei und von der Justiz behandelt wie ein Unfall unter Alkoholeinfluss. Das Fahren bei Schläfrigkeit wird als grobfahrlässig eingestuft. Die Konsequenzen sind zusätzlich zum Fahrzeugausweisentzug eine Busse und schlimmstenfalls ein Regress der Versicherungen für den angerichteten Schaden.

Nach ungenügendem oder unerholsamen Schlaf sollte sich niemand ans Steuer setzen. Wenn Schläfrigkeit während dem Autofahren auftritt, hilft einzig und allein das Anhalten auf einem Rastplatz mit Konsumation eines starken Kaffees und/oder ein Schläfchen von ca. 15 Minuten. Die beste Wirkung wird erzielt mit der Kombination, indem zuerst eine Tasse Kaffee getrunken und anschliessend für 15 Minuten geschlafen wird. Dadurch kombinieren sich die beiden Effekte, wenn die Fahrt fortgesetzt werden muss. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die bekannten Massnahmen wie Fensteröffnen, Musik laut einstellen, Kaugummi kauen, etc. höchstens für wenige Minuten wirksam sind und nach kurzer Zeit zu einer unheilvollen Überschätzung der eigenen Wachheit führen.

Personen, welche trotz ausreichendem Schlaf tagsüber sehr schläfrig sind, sollen sich beim Arzt abklären lassen hinsichtlich einer krankheitsbedingten Tagesschläfrigkeit.

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Ein Epworth-Score über 10 Punkte gilt als abnormal, höhere Werte als 12-14 bergen ein erhöhtes Unfallrisiko.

Schlafmedizinische Abklärungen

Personen, welche einen Sekundenschlafunfall verursacht haben, werden in der Regel in ein Zentrum für Schlafmedizin zur Abklärung krankhafter Ursachen dieser Schläfrigkeit zugewiesen. Dabei wird nicht nur nach den Ursachen dieser Schläfrigkeit gesucht, insbesondere mit Hilfe der Polysomnographie, sondern es wird auch das Aussmass der Schläfrigkeit gemessen mit Hilfe eines Multiplen Schlaf Latenz Tests (MSLT).
Sogenannte Vigilanztests, zu denen auch der Fahrsimulator gehört, werden eingesetzt, um die Fähigkeit zu messen unter misslichen Bedingungen in einem dunklen Raum für längere Zeit wach zu bleiben.

Welche Massnahmen können die Behörden ergreifen?

Die sogenannten singenden Seitenstreifen auf den Autobahnen und insbesondere in Tunnels haben sich als sehr wirksam erwiesen, den Fahrer beim drohenden Sekundenschlafunfall zu wecken, damit er wieder auf die Fahrspur zurückfinden kann, bevor sich der Unfall ereignet. Warntafeln auf den Autobahnen, welche die Fahrzeuglenker an ihre allfällige Schläfrigkeit errinnern sollen, mit der Aufforderung auf einem Rastplatz anzuhalten und Kaffee zu trinken sind ebenfalls hilfreich. Auf den Rastplätzen könnten die Gelegenheiten zum Abhalten von Schläfchen im Auto sicherlich noch verbessert werden, weil sich insbesondere Frauen oft unsicher fühlen im Auto zu schlafen, wenn dies in einem nicht überwachten und nicht kontrollierten Areal auf dem Rastplatz stattfinden muss.
Die Polizeiorgane bemühen sich zunehmend, die Müdigkeit am Steuer als Ursache von Verkehrsunfällen zu indentifizieren.

Die Schlafzentren und die Schlafforschung ist aufgefordert, möglichst präzise Messmethoden zu entwickeln, mit welchen verlässlich vorausgesagt werden kann, ob ein bestimmter Fahrzeuglenker dazu neigt, wegen eines Sekundenschlafs einen Unfall zu verursachen.