Insomnie (verkürzter Schlaf)

von J.Mathis

Beim gestörten Nachtschlaf (Insomnie) unterscheidet man grob die 4 Gruppen:

1. Einschlafstörungen
2. Durchschlafstörungen
3. Früh-Erwachen
4. Unerholsamer Schlaf

Die Ursachen solcher Schlafstörungen sind sehr vielfältig und reichen vom ungünstigen sozialen Verhalten und äusseren Einflüssen über körperliche Leiden bis hin zu den psychiatrischen Krankheiten, insbesondere Depression oder Angststörungen.

Wenn keine solche Ursachen gefunden werden, muss auch an die "Erlernte Insomnie" gedacht werden. Ein typisches Beispiel ist die Mutter, die wegen ihrer schreienden Kinder über mehrere Jahre in ihrem Schlaf gestört wurde, bei welcher aber die Schlafstörung nach Jahren weiterhin besteht, obschon die Kinder schon lange nicht mehr daran schuld sind. Hier vermutet man sozusagen eine "dumme Gewohnheit" als Ursache der Schlafstörung. Die Betroffenen können in ihrem eigenen Zimmer ganz schlecht einschlafen, währenddem sie an anderen Orten, z.B. vor dem TV oder im Hotelzimmer viel besser einschlafen.

Diagnostik

Eine Ableitung im Schlaflabor bringt in der Regel keine zusätzlichen Informationen - ausser, dass der Patient schlecht schläft. Diese sogenannte Polysomnographie wird deswegen nur in Ausnahmefällen vorgenommen oder wenn der Verdacht auf eine Zweitkrankheit wie z.B. ein Schlaf-Apnoe Syndrom besteht. Sinnvoller ist ev. eine Handgelenks-Aktigraphie über 14 Tage. Mit dieser Methode kombiniert mit einem Schlaf-Wach-Protokoll kann man den Schlaf-Wach-Rhythmus der Betroffenen objektivieren. Dies ist hilfreich bei der Beurteilung von ungünstigen Verhaltensweisen wie z.B. Schläfchen am Tag oder unregelmässige oder zu lange Bettzeiten.

       Regelmässiger normaler Schlaf                      Gestörter Schlaf

© Prof. J. Mathis

Therapie

Die Behandlung der chronischen Insomnie kann nicht mit Medikamenten allein erfolgen. Wirksam ist v.a. die Kombination folgender drei Massnahmen:

  1. Kognitive Verhaltenstherapie
  2. Regelmässige Gespräche mit dem Therapeuten, welcher die Funktion eines "Schlaf-Coaches" übernimmt.
  3. Medikamente (eher Antidepressiva als Benzodiazepine)

Die kognitive Verhaltenstherapie verfolgt zwei Ziele: 

  1. ein besseres Verständnis für die ungünstigen Schlaf-Wach-Verhaltensweisen und
  2. konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität.

Leider berichten relativ viele Patienten von schlechten Erfahrungen bei anderen Arten von Psychotherapie, insbesondere die rein analytische Therapie ist nach unseren Erfahrungen bei Insomniepatienten kaum je erfolgreich.
Ein Therapeut, welcher von uns gerne als "Schlaf-Coach" bezeichnet wird, ist nötig, weil der Patient allein meistens nicht in der Lage ist, sich für genügend lange Zeit zu motivieren, um die praktischen Massnahmen auch wirklich umzusetzen.
Die Medikamente dienen insbesondere dazu, den initialen Effekt etwas zu beschleunigen und um die Motivation für die Verhaltenstherapie aufrecht zu erhalten.

Was kann der Patient selber tun für einen guten Schlaf?