Schlafbezogene Atmungsstörungen

Nächtliche Atmungsstörungen haben viele Ursachen

von S. Ott

Schlafbezogene Atmungsstörungen werden durch steigende Prävalenz sowie verbesserte Diagnostik und Therapiemöglichkeiten immer bedeutender. Neben der klassischen obstruktiven Schlafapnoe gehören auch Störungen des zentralen Atemantriebs und Hypoventilationssyndrome bei akutem oder chronisch respiratorischem Versagen zum breiten Ursachenspektrum der ursächlichen Pathologien. Letztere können durch eine beeinträchtigte Atempumpe aber auch durch pulmonale Veränderungen ausgelöst werden. Weil nächtliche Atmungsstörungen so heterogen sind, braucht es eine sorgfältige Abklärung und viel Erfahrung.

Diagnostisch steht als maximale Schlafuntersuchungsvariante die Polysomnographie im Schlaflabor des SWEZ mit routinemässiger Kapnographie zur Verfügung. In der pneumologischen Poliklinik werden portable Kleinsysteme mit Mehrkanalanalyse, d.h. respiratorische Polygraphien und Handgelenksgeräte wie das WatchPat angeboten.

Es werden auch Screeningsysteme und Oximetrien zur Überwachung von etablierten Beatmungs- oder Sauerstofftherapien eingesetzt. Ergänzend zur Untersuchung des Nachtschlafs bietet die Pneumologie innerhalb des SWEZ das gesamte Spektrum funktioneller Abklärungen mit Lungenfunktionsprüfung, Messung der Atempumpe inklusive Peak Cough Flow, Blutgasanalysen und Überprüfung der kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit. Bei Bedarf werden auch Schlafendoskopien unter Disoprivansedation zur Beurteilung der oberen Atemwege im Bronchoskopiezentrum durchgeführt.

Im Rahmen der klinischen Forschung werden der Einfluss der schlafbezogenen Atmungsstörungen auf den Organismus und neue Therapiekonzepte untersucht. Durch eine umfassende Abklärung kann unser erfahrenes Team den Patientinnen und Patienten abhängig von der zu Grunde liegenden Pathologie die individuell bestmögliche Behandlung bieten.

Nicht-invasive Ventilation (NIV): Mit individueller Therapie und Betreuung zum Erfolg

Als effektivste Therapie der schlafbezogenen Atmungsstörung gehört die nicht-invasive Ventilation (NIV)  in allen Variationen zu den Kernkompetenzen der pneumologischen Klinik. Sie ermöglicht die Behandlung der oberen Atemwegsobstruktion sowie eine Entlastung der Atempumpe und Verbesserung des Gasaustauschs.

Entscheidend für den Therapieerfolg sind neben einer individuellen Geräte- und Zubehörwahl eine optimale Einstellung der NIV, professionelle Schulung der Patientinnen und Patienten und eine schnelle und unkomplizierte Nachbetreuung. Dies wird durch eine breite Auswahl an Masken, modernen Therapiegeräten und Hilfsmitteln sowie durch ein kompetentes Team mit langjähriger Erfahrung und guter Vernetzung mit Geräteprovidern und der Lungenliga ermöglicht.

Das Angebot reicht von der einfachen Positivdruckbeatmung (CPAP und APAP) bei obstruktiver Schlafapnoe über adaptive Servoventilation bei zentralen Atmungsstörungen bis zur volumen- oder druckkontrollierten Ventilation bei neuromuskulären Erkrankungen oder respiratorischem Versagen anderer Ursache. Beatmet wird normalerweise über Nasen- oder Gesichtsmasken; eine invasive Ventilation via Tracheostoma ist auch möglich. Zusätzlich sind die pneumologische Bettenstation für komplexe Beatmungseinstellungen und als Novum auch eine mobile Weaningeinheit verfügbar. Die Patienten können mit zusätzlichem Sauerstoff, Akkus, Sprechventilen und Absauggeräten oder einer Mundstückventilation am Tag versorgt werden. Auch werden Alternativen zur NIV wie Prognationsschienen, operative Therapien und Schrittmacherimplantationen evaluiert. Um das Therapieangebot weiterzuentwickeln, sind besonders die Optimierungen von Maskensitz und -design Schwerpunkte der pneumologischen Schlafforschung.