Schlaf-Apnoe-Syndrom

Mit 90 Dezibel

Dem Kanadier Mark Hebbard ist nach eigenen Angaben die Aufnahme ins Guinness-Buch der Rekorde garantiert worden.
Seine Spezialität: lautstarkes Schnarchen. Die Klinik für Schlafstörungen an der Universität von British Columbia habe ihm Schnarchtöne in einer Lautstärke bis zu 90 Dezibel attestiert.
Der Schnarchlärm Hebbards lag damit um 20 Dezibel über der erlaubten Lärmschutzgrenze am Arbeitsplatz. Das Geräusch war fast so laut wie der Lärm einer Rockband.
Hebbard wurde inzwischen erfolgreich opperiert, doch seine Frau hat nach 15 Jahren im Ehebett bereits einen Teil der Hörfähigkeit eingebüsst.

Ursache

Schon beim gewöhnlichen Schnarchen spielen die engen Luftwege hinter der Zunge eine wichtige Rolle. Wenn dieser Engpass noch zunimmt, führt es letztendlich zu einem völligen Unterbruch beim Einatmen (=Apnoe).

Beschwerden beim Schlaf-Apnoe-Syndrom SAS

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  • Schläfrigkeit am Tag
  • Konzentrationsstörungen
  • Automatische Handlungen
  • unregelmässiges Schnarchen
  • Atempausen im Schlaf
  • Motorische Unruhe im Schlaf
  • Trockener Mund am Morgen
  • Morgendliche Kopfschmerzen


Folgekrankheiten

  • Leistungeinbusse
  • Gedächtnissstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Hoher Blutdruck
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Unfälle am Arbeitsplatz und im Strassenverkehr

Diagnostik

Der Goldstandard zur Diagnostik bei Schlaf-assozziierten Atmungsstörungen ist die Video-Polysomnographie im Schlaflabor. Bei dieser Methode ist man sicher, dass auch milde Schlaf-Apnoe Syndrome oder das sog. "Upper airway Resistance Syndrom" auch diagnostiziert werden können, weil mit dem EEG eine sehr empfindliche Methode für jegliche Art von Schlafstörungen zur Verfügung steht und weil mit der Audio-Videographie die Art des schnarchens und auffälliges Verhalten sehr präzise unterschieden werden kann.

Mit der ambulanten respiratorischen Polygraphie lassen sich die schwereren Schlafapnoe Syndrome ebenfalls sehr verlässlich diagnostizieren, währenddem die isolierte Sauerstoffmessung (Oxymetrie) heute nicht mehr empfohlen werden kann, wegen der zu geringen Sensitivität. Bei einer normalen Oxymetrie ist somit ein Schlafapnoe Syndrom auf keinen Fall ausgeschlossen! 

© Prof. J. Mathis

Therapie

In den wenigsten Fällen genügt es, auf der Seite zu schlafen, weil auch in dieser Position noch viel zu viele Apnoen auftreten. Der Schlaf bleibt stark gestört, auch wenn das Schnarchen etwas leiser wird.  

CPAP-Maske

Die beste Behandlung ist die Maskenbelüftung - CPAP genannt (Abkürzung von Continuous Positive Airway Pressure). Hier wird ein Luftstrom in die Nase geblasen, welcher die Luftwege offenhält.

Zahnspangen werden oft schlecht ertragen. Die chirurgische Therapie ist geeignet beim isolierten Schnarchen, beim SAS aber nur in ganz speziellen Fällen.


Residuelle Schläfrigkeit unter CPAP (RES)

Leider kann die Tagesschläfrigkeit bei einem kleinen Prozentsatz der Schlaf-Apnoe-Patienten trotz gut angepasster CPAP-Maske nicht vollständig eliminiert werden. Man spricht von einer residuellen Tagesschläfrigkeit unter CPAP (RES). Bevor man nun vermutet, dass es sich dabei um einen Normalzustand handelt, sollten verschiedene Ursachen dieser residuellen Schlärfigkeit ausgeschlossen werden. Wir empfehlen auf jedenfall eine Polysomnographie mit der Maske durchzuführen, um herauszufinden, ob allenfalls anstelle von obstruktiven Apnoen neu nun plötzlich zentrale Apnoen aufgetreten sind, ob andere Gründe vorliegen, dass die Maske nicht optimal wirksam ist oder ob andere schlafstörende Faktoren wie PLMS vorliegen. Nur allzuoft konnten wir bei solchen Patienten eine ungenügende Schlafhygiene oder, ganz banal, ein Schlafmanko erst bei der objektiven Messung mit einem Aktimeter feststellen, welches selbstverständlich ebenfalls eine Ursache der Tagesschläfrigkeit darstellen kann.
Weitere Gründe für die persistierende Tagesschläfrigkeit oder manchmal auch Müdigkeit sind Depression, diverse Medikamente oder Insomnie. In der Literatur wird auch darüber diskutiert, ob gar eine Hirnschädigung bedingt durch den jahrelangen Sauerstoffmangel schlussendlich zu einer sogenannten ZNS-Hypersomnie, also zu einer Schläfrigkeit aufgrund einer Hirnschädigung geführt hat. Bevor man aber diese therapeutisch kaum zu behandelnde Ursache annehmen darf, sollte auch eine Narkolepsie oder eine idiopathische Hypersomnie mittels multiplem Schlaflatenz-Test (MSLT) abgeklärt werden.