Die Geschichte der Schlafmedizin am Inselspital

von J.Mathis

Moderne Schlafuntersuchungen wurden ermöglicht durch die Entdeckung der Elektroenzephalographie (EEG) um ca. 1929 durch Prof. Hans Berger in Jena. Schon vorher konnte man Schlafende zwar beobachten, man musste diese aber wecken um herauszufinden, wie tief sie geschlafen haben.

Schlafstörungen im engeren Sinne (die Insomnien) sind sicherlich so alt wie die Menschheit, die hat es schon immer gegeben. Durch die moderne industrialisierte Gesellschaft haben diese aber sicherlich an Bedeutung gewonnen, weil vielen Menschen heute ein Schlaf-Wach-Rhythmus aufgezwungen wird, der ihnen gar nicht entspricht (Schichtarbeit!).

Die Narkolepsie, die "Schlafsucht", wurde von Gélineau im Jahr 1880 erstmals beschrieben. Das Schlafapnoe Syndrom (SAS) wurde im Jahre 1965 gleichzeitig vom Neurologen Gastaut in Frankreich und von Jung und Kuhlo in Deutschland beschrieben. Schon im Jahre 1836 hat der Journalist Charles Dickens in den Pickwick Papers einen typischen Patienten mit dieser Krankheit portraitiert. Die SAS Therapie mittels Maske im Schlaf (CPAP) wurde von Sullivan in Australien im Jahre 1981 beschrieben, was natürlich im Vergleich zu der vorher angewandten Tracheotomie ein riesiger Fortschritt war.

Nachdem man die enorme Häufigkeit des SAS (ca. 4% der Männer!) und die Möglichkeit der effizienten Behandlung realisierte, hat die Schlafmedizin in den westlichen Ländern einen rasanten Aufschwung erlebt.

Am Inselspital wurden in den frühen 80-iger Jahren noch Schlafapnoe-Patienten mit Tracheotomie im Schlaflabor untersucht (Abb von Prof. J.Mathis).

 

Ableitungen im Schlaf wurden aber auf der EEG-Station der Neurologie schon seit Beginn im Jahre 1952 durch Prof. Robert Georg Isenschmid durchgeführt. Eigentliche Polysomnographien wurden ebenfalls in den Räumen des EEGs seit 1982 von Prof. Dr. Christian Hess und ab 1984 von seinem Nachfolger Dr. Johannes Mathis aufgezeichnet (Foto von Prof. Ch. W Hess).

Bereits im Jahre 1990 konnten wir gemeinsam mit den Pneumologen ein EEG-Zimmer zu einem Schlaflabor umbauen und regelmässig Polysomnographien ableiten. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit der beiden Leiter Prof. Dr. M. Gugger und Prof. Dr. J. Mathis konnte die Schweizerische Philosophie einer interdisziplinären Schlafmedizin am Inselspital auch praktisch gelebt werden. In der Neuro-Pneumologischen Sprechstunde wird der zugewiesene Patient gleichzeitig von einem pneumologischen und einem neurologischen Oberarzt beraten, was die vielen Nachteile einer Hin- und Her-Zuweisung von Patienten reduziert.

Im Jahre 1997 wurde eine analoge, ebenfalls interdisziplinäre Sprechtunde für Insomnie-Patienten eingerichtet, diesmal gemeinsam durch die Psychiater (Prof. Dr. B. Radanow, später Dr. W.Schmitt) und die Neurologen (Prof. Dr. J. Mathis, später auch PD Dr. A. Nirkko und Frau Dr. H. Gast).

Seit dem Jahr 2009 wurde nun auch noch die Schlafmedizin für Kinder am Inselspital aktiviert. Frau Dr. S. Strozzi eine neuropädiatrische Oberärztin wurde 2008 im weltbekannten pädiatrischen Schlafzentrum in Lyon ausgebildet und betreut dann bis 2017 zusammen mit Frau Dr. Casaulta aus der pädiatrischen Pneumologie die Kinder-Schlafsprechstunde. Ab 2017 hat Frau Dr. Sarah Bürki die Leitung der Neuropädiatrischen Schlafmedizin übernommen.

Im Jahr 2012 wurde Prof. Claudio Bassetti zum Chefarzt und Klinikdirektor der Neurologie gewählt. Von seinem grossen Interesse an der Schlafmedizin, konnte das Schlaf-Wach-Zentrum des Inselspitals enorm profitieren. Neben dem Ausbau der Leistungsfähigkeit für die klinischen Untersuchungen, hat er in kürzester Zeit verschiedene Forschungsgruppen aufgebaut.

Das Team der neurologischen Schlafmediziner wurde verstärkt durch die beiden Oberärzte Markus Schmidt, MD und Dr. Panagiotis Bargiotas.

Als Pneumologischer Leiter hat PD Dr. Sebastian Ott die Nachfolge von Prof. Matthias Gugger übernommen. Er wurde im Jahr 2017 durch Frau Dr. Anne-Kathrin Brill ersetzt.